Oft sind Unterschiede in den Wahlprogrammen der Parteien nur im klein gedruckten zu erkennen. Doch wer liest sich schon ein ganzes Wahlprogramm durch oder guckt stundenlange Bundestagsdebatten auf „Phoenix“ im Fernsehen? Jedenfalls keiner, der acht Stunden lang zur Schule gehen muss. Deswegen haben wir uns gedacht, befragen wir die Politiker aus unserem Wahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg so, dass sie ihre Meinung auf den Punkt bringen müssen. Was könnte da besser sein als der Internet-Kurznachrichtendienst „Twitter“, bei dem ähnlich wie bei einer SMS nur 140 Zeichen pro Nachricht verwendet dürfen. Da 140 Zeichen jedoch eine zu schwere Aufgabe für unsere Politiker wäre, haben wir den Politikern die Länge von 280 Zeichen pro Antwort gestattet, also eine doppelte Twitter-Nachricht.
Kann zu Zeiten der Wirtschaftskrise noch in Bildung investiert werden?
Pols: Es ist immer und zu jeder Zeit wichtig in Bildung zu investieren. Gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise ist dies besonders wichtig. Wir wollen Deutschland zur Bildungsrepublik ausbauen, Bundesweite überprüfbare Standards für Bildungseinrichtungen.
Lotze: JA! Der Zugang zur guten Bildung muss für alle Kinder möglich sein, unabhängig von ihrer Herkunft oder vom Geldbeutel der Eltern. Dies ist momentan in Deutschland nicht gewährleistet. Deswegen müssen wir mehr Geld in gute Bildung investieren und Chancengerechtigkeit herstellen.
v.d.Bussche: Neue Märkte mit neuen Ideen müssen erschlossen werden. Zum Beispiel der Energiesektor (regenerative Energien, Einsparpotentiale) bietet als Zukunftsmarkt erhebliche Potentiale. Dies kann nur durch Investition in Bildung erfolgen.
Meihsies: Gerade in Zeiten einer wirtschaftlichen Flaute müssen der Bund sowie die Länder und Kommunen verstärkt in den Bildungssektor investieren. Will Deutschland auf einem hohen Qualitätsniveau weiter produzieren, forschen und entwickeln sind Bildungsinvestitionen geradezu zwingend.
Voss: Ja, denn ein marodes Bildungssystem kann sich eine Gesellschaft, in der es gerecht zugehen soll, nicht leisten. Nicht Banken, gute Bildung ist systemrelevant: für gute Arbeit und Kultur, für Demokratie und Beteiligung. Wer hier spart, spart an der Zukunft der ganzen Gesellschaft.
Welche Konsequenz kann man aus den Atomskandalen ziehen?
Pols: Derjenige, der die Kernkraft nutzt, muss sich auch um die Endlagerung kümmern. Dazu gehört die Suche nach einem sicheren Endlager. Die Regierungskoalition aus CDU und SPD war in den letzten 4 Jahren der gem. Überzeugung, dass Gorleben weiterhin untersucht werden müsse.
Lotze: Ganz klar: Atomkraft ist gefährlich und keiner weiß wohin mit den radioaktiven Müllbergen. Ich möchte eine sichere und saubere Umwelt. Dafür muss unsere Energielandschaft umfassend umgebaut werden. Ich will weg von Atomstrom und hin zu Erneuerbaren Energien.
v.d.Bussche: Vertrauen zurückgewinnen, d.h.: Alternatives Standortsuchverfahren anstelle von Gorleben. Keine Laufzeitverlängerung bestehender Reaktoren.
Meihsies: Wir wissen schon lange, dass der Atombereich ein Sumpf von Lügen Manipulationen und Täuschung ist. Es geht um Milliarden welche die Atomindustrie mit dieser Risikotechnik verdient. Deshalb Krümmel vom Netz, Gorleben aufgeben und hin zu einer Energiewende mit Strom ohne Atom.
Voss: Schnellstmöglicher und unumkehrbarer Ausstieg! Auch im Normalbetrieb tötet Radioaktivität (KIKK-Studie). Investitionen in Erneuerbare Energien. Dort können eine halbe Million neuer Arbeitsplätze entstehen, vorausgesetzt, Wind, Wasser, Sonne, Bioenergie werden nicht ausgebremst.
Sollte das Internet zensiert werden?
Pols: Gewaltverherrlichende Seiten und kinderpornographische Internetseiten müssen
zensiert bzw. verboten und unter Strafe gestellt werden. Zugänge auf diese
Seiten dürfen nicht möglich gemacht werden.
Lotze: Die SPD will die Freiheit im Internet erhalten und sichern. Wir kämpfen auf internationaler Ebene gegen die Zensur im Internet und wollen sie auch nicht in Deutschland. Das Internet ist aber kein rechtsfreier Raum. Rechtswidriges Verhalten muss strafrechtlich verfolgt werden.
v.d.Bussche: Nein, aber Kontrolle. D.h. eindeutig gefährliche und gefährdende Sites müssen raus.
Meihsies: Ich bin für ein freies Internet ohne Filter und Massenüberwachung. Kinderpornographisches Material und andere strafbare Inhalte müssen international verfolgt und gelöscht werden. Das Internet muss ein neutrales Medium sein, ohne Kontrolle von Staaten und Unternehmen.
Voss: Internetsperren können weder dem Missbrauch von Kindern noch dem abgeschotteten Handel mit kinderpornographischem Material vorbeugen. Dieser Wirkungslosigkeit bedeutende Freiheitsrechte zu opfern, halte ich für eine kontraproduktive Idee. Konsequent Nein zum Überwachungsstaat!