Eine Frage, aber viele Antworten. Wer sich auf den Weg macht die Elite zu suchen, bekommt nicht immer das erwünschte Ergebnis, zumindest nicht bei Google. Selbst Wikipedia kann wenig helfen, was deutsche und russische Jugendliche unter dem Begriff „Elite“ verstehen. Eine Umfrage auf dem Hyperborea Camp hat zur Aufklärung geführt und interessante Ergebnisse geliefert.
Wer in Russland bei Google nach dem Wort „Elite“ sucht, dem werden 3,79 Millionen Suchergebnisse angezeigt, mit Unternehmen die technische Produkte vertreiben, Fitnesstudios und ein Billig-Mobilfunkanbieter auf den vorderen Plätzen. Aber ist das die „wirkliche“ Elite, die die normalerweise allwissende Suchmaschine dort findet?
Auserlesene versus Normalbürger
Das Internetlexikon Wikipedia definiert Elite – ursprünglich vom lateinischen electus, „ausgelesen“ – „soziologisch als eine Gruppierung überdurchschnittlich qualifizierter Personen zum Beispiel Funktionseliten, Leistungseliten oder die Machteliten einer Gesellschaft. Der Elite gegenüber steht die ‘Masse’ oder der ‘Durchschnitt’ beziehungsweise der ‘Normalbürger’“. Doch trotz dieser genauen Begriffsbezeichnung gibt es in Russland verschiedene Auffassungen des Wortes „Elite“ und wer zu deren erlesenen Kreis dazugehört.
Mehr… (Dieser Artikel ist auf To4ka-Treff.de erschienen, einem deutsch-russischen Jugendportal der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, dem Goethe Institut Moskau und der Jugendpressse Deutschland.)
Elite – Ein Kommentar
Wenn es um das Wort „Elite“ geht, kommt es zum Klassenkampf. „Die da hoben, wir hier unten“ ist oft die Wahrnehmung des Volkes. Auch die gespaltene Meinung der Jugendlichen im Hyperborea-Camp macht deutlich, dass es ebenso unter jungen Menschen einen Diskurs um die Deutungshoheit von „Elite“ gibt.
Doch eigentlich sollte es nicht um das Wort gehen und ob es positiv oder negativ besetzt ist. Viel mehr sollte das Wort so besetzt werden, dass Menschen die schlechtes Tun, aber trotzdem in verantwortungsvollen Positionen sitzen, nicht mehr zur Elite zählen. Wie jüngst in der Finanzkrise passiert, sollten Manager die Bonuszahlungen trotz Entlassungen von Mitarbeitern erhalten, sich ethisch korrekt verhalten und ihren Bonus ablehnen oder spenden. Wer kein gutes Benehmen vorlebt, kann nicht erwarten, dass die Jugend von heute eine bessere Welt schaffen soll.
Es gibt genügend schwarze Schafe in unserer Gesellschaft, egal ob Deutschland oder Russland, die nicht mehr zur Elite gezählt werde sollten. Erfolgreiche Sportler die gedopt haben, Manager die Steuern hinterzogen haben und Politiker die Spendenaffären hatten. Die Liste dürfte in beiden Ländern sehr lang werden. Statt immer nur negativ über Elite zu berichten, sollten Menschen die eine Vorbildfunktion erfüllen und sich gesellschaftlich engagieren auch von den Medien mehr positiv hervorgehoben werden. In Deutschland und Russland fehlt es an Menschen die mit gutem Beispiel voran schreiten. Nur wer reich und erfolgreich ist, darf nicht mehr automatisch zur Elite gezählt werden, vorallem soziales Engagement muss in dieser globalisierten Welt an Bedeutung gewinnen.